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Sexy Bastard Undercover


Suzukis Essenza-Bike
Sexy Bastard Undercover

Gefällt euch das? Uns auch! Genau hinschauen: Dieses attraktive kleine Luder ist tatsächlich eine SV 650 undercover. Ein erneuter Beweis dafür, was alles möglich wäre, wenn man dürfte, wie man wollte. Suzuki durfte. Die Little Bastard war ihr Beitrag zur heuer zum Glemseck ausgerufenen Essenza-Klasse

Als die Anfrage kam, war klar: Wir machen da mit.“ In Paniz Adnans Stimme – Suzukis Frau für die Presse – schwingt noch immer die Entschlossenheit mit, mit der sich die Bensheimer Hals über Kopf in dieses Projekt warfen. Die Einladung zur Teilnahme war kaum da, da stand auch schon das Modell fest, das sie sich vornehmen wollten: Eine SV 650 sollte es werden, locken unter deren Schale aus Plastik und Gesetzesornat doch zwei schlanke Zylinder und ein schöner Gitterrohrrahmen. Ein würdige Basis für die Suche nach dem Wesentlichen, und die sollte nun designerisch auf ihre wahre Essenz hin zugespitzt werden.

Designerisch? Krautmotors! Der Designer und Gründer dieses Labels, Rolf Reick, hat in seinem Leben schon das ein oder andere verrückte Projekt auf die Räder gestellt. Als Suzukis Marketing- und PR-Chef Gerald Steinmann ihn um einen Entwurf bat, bewies er, dass er sie sehen konnte, die unter der äußeren Schale verborgene Essenz. Er schneiderte der SV ein Monocoque auf den Leib, das Jochen Lehmann alias Blechfee mit gesegneter Hand ins Alublech trieb. Doch Rolf hatte nicht nur ­dieses eine Unikat im Sinn. Ihm und Suzuki ging es auch ­darum, mit dem Little Bastard künftige Gestaltungsformen mal ganz praktisch am Objekt durchzuspielen. Irgendwann werden 3D-Drucker eine technische Reife und einen Preis erreicht haben, der die Teilefertigung in der heimischen Garage möglich macht. Nicht länger real geformte Materie werden wir dann kaufen, sondern die Daten zu deren Fertigung. Tatsächlich kamen bei dieser erstmal locker angegangenen Fingerübung zwei Heck­lösungen sowie zwei Varianten einer Tankabdeckung heraus. Deren Druckqualität ist noch eher rudimentär, zeigt aber die Richtung. Sie wird wohl ziemlich bunt, die künftige Customwelt.
 

Mal eben so ein Customkrad auf die Räder zu stellen, so denkt sich Otto Normalverbraucher, dürfte für einen großen Importeur doch ein Klacks sein. Der lässt einfach mal rasch seine Werkstattarmee von der Leine und die haut dann in kurzer Zeit ein sprintfähiges, attraktives Ergebnis raus? Weit gefehlt. Die Männer und Frauen in der Werkstatt des Importeurs haben schließlich genauso ihren Job zu machen wie die Kollegen in der Büro­etage, keiner dreht da Däumchen. „So ein Projekt kann man nur stemmen, wenn alle an einem Strang ziehen und sich auch über die Arbeitszeit hinaus einbringen“, sagt Pani und fügt hinzu: „Und wenn alle total motorraddurchgeknallt sind.“ Und das sind sie, die Beteiligten in Bensheim. Gut so, denn Gerald Steinmann wollte für dieses Motorrad nicht irgendeinem Top-Customizer einen Batzen Geld hinwerfen und sagen „Mach mal!“. Nein, dieses Motorrad sollte mit der vorhandenen Begeisterung und dem nötigen Team-Spirit in den eigenen Reihen entstehen.

 
Rolf Reicks Design legt tatsächlich die wahre Essenz der SV 650 frei. Wer hätte geahnt, dass unter dem Plastik- und ­StV-Geraffel der Serienmaschine ein derart sehniges ­Tierchen steckt
Rolf Reicks Design legt tatsächlich die wahre Essenz der SV 650 frei. Wer hätte geahnt,
dass unter dem Plastik- und ­StV-Geraffel der Serienmaschine ein derart sehniges ­Tierchen steckt


Als das Monocoque da war, musste sich die Technik drumherum anpassen. Ein Job für Philip Jeier, der in Bensheim normalerweise als Servicemanager für die ­Technik zuständig ist. Er musste den Platz schaffen, den das knappe Monocoque einigen Komponenten nun nicht länger bot. Er cleante Rahmen und Schwinge, warf  den Serienluftfilterkasten und das komplette ABS raus. Auch das Kühlsystem musste umgebaut, ein neuer Kabelbaum gefertigt werden. Eins kam zum anderen und es schien, als wolle das Ganze kein Ende nehmen. Aber so ist das eben, wenn das Fieber steigt, man mit einer Traube ­interessierter Kollegen nach Feierabend vorm Objekt steht, diskutiert, Pläne schmiedet und verwirft, am einen Tag in Sackgassen biegt, um am nächsten auf den weiten Horizont zuzufliegen.

Den Grad der Missionserfüllung können wir hier als Außenstehende nicht beurteilen. Doch wir kennen das Ergebnis, und das ist wahrhaft gelungen. Nicht allein das flach aufliegende Monocoque verschafft dem kleinen Bastard seine irgendwie bedrohlich lauernde Haltung. Das ganze Fahrwerk wurde tiefer gelegt. Auch wenn der Kerl auf Stollenpneus läuft – Anlass für eine der größeren Diskussionen im Hause Suzuki: Bei einem Sprint geht es nicht um Federwege. Auch nicht um Tankvolumen – gerade mal 2,5 Liter passen ins Monocoque. Wohl aber geht es um psychologische Kriegsführung. Wer beißen will, sollte also auch bellen können. So ein 650er V-Twin kann das besser als jeder Schrottplatzköter, vorausgesetzt, er hat die richtigen Sprachrohre: in diesem Fall die Akrapovic-Krümmer samt sehr überschaubarem SC-Project-Dämpfer.
 
Beim Cafe-Racer-Event in Montlhéry startete
Pani mit einer kaum veränderten Serien-SV als
Underdog - und gewann

Als es ums Fahren ging, stand Pani auf Geralds ­Liste ganz oben. Auch den Kampf selbst sollte jemand aus den eigenen Reihen führen. „Traust du dir das zu?“, war denn auch eine eher rhetorische Frage, schließlich fährt die 32-Jährige mit ihrer GSX-R 750 hobbymäßig Rennen. „Ich sollte nicht einfach aufs fertige Objekt ­gesetzt werden, sondern ich wurde in seine ganze Ent­stehung mit ein­bezogen. Rolf fragte mich bei jeden Schritt nach meiner Meinung. Das gab mir von Anfang an das Gefühl, dass diese SV auch mein Baby ist.“

Um mal in die Mission Sprintrennen hineinzuschmecken, packten Pani und Rolf im Juni den Transporter und ­fuhren mit einer optisch nur leicht auffrisierten SV zum Cafe-Racer-Event nach Montlhéry. Ein paar Lenkstummel, eine Soziusabdeckung, eine Miniverkleidung und ein paar attraktive Spritzer Farbe samt Schriftzug mussten reichen. „Wir tauchten dort als absoluter Underdog auf“, erinnert sich Pani. „Inmitten all dieser bis auf die letzte Schraube durchgestylten Bikes, in denen Tausende von Euros versenkt worden waren, kamen wir uns mit unserem Little Bastard schon etwas verloren vor.“ Doch gerade das brachte ihnen Aufmerksamkeit und Sympathien. ­Little Bastard? Pani hat eine Vorliebe für James Dean, der sein „Fluchtfahrzeug“, einen Porsche Spyder, so nannte.

 
Angesichts der hochgerüsteten Essenza-Bikes sind die 76 Serien-PS des kleinen Bastards eine eher milde Dynamik­quelle. Doch beim Sprint ist ein guter Start die halbe Miete, danach gilt es, dem Wind möglichst wenig Widerstand zu bieten
Angesichts der hochgerüsteten Essenza-Bikes sind die 76 Serien-PS des kleinen Bastards
eine eher milde Dynamik­quelle. Doch beim Sprint ist ein guter Start die halbe Miete, danach gilt es,
dem Wind möglichst wenig Widerstand zu bieten


Als sie in Montlhéry nach einem Tag Regen am zweiten Tag dann endlich an der Startlinie stand, sah sie sich Fahrer und Motorrad von Suzuki France gegenüber – auch deren SV ein total geleckter, perfekter Racer. Doch durch Äußerlichkeiten ließ sich Pani von der Magie des Augenblicks nicht ablenken. „Dieser Moment, wenn du an der Startlinie stehst und auf das Fallen der Flagge wartest, er ist unbeschreiblich. Alles andere tritt in den Hintergrund, die Zeit bleibt regelrecht stehen, der Moment friert ein.“ Als die Flagge schließlich fällt, schießt der Bastard mit ihr nach vorn und die beiden lassen die minutiös vorbereitete Equipe Tricolore klar hinter sich. Ein gutes Omen fürs Glemseck – sollte man meinen.
 
Die groben Conti-Gummiblöcke
bieten einige Unterhaltung

Als der September aber näher rückt, schrumpfen die Stunden auf unerklärliche Weise zusammen. Und so kommt es, wie es kommen musste: Am Tag des Sprints legt der kleine Bastard sein Veto ein. „Für die Abstimmung hat uns am Ende einfach die Zeit gefehlt“, erinnert sich Pani zähneknirschend. „Das war schlimm, inmitten dieses Treibens zu stehen und nicht antreten zu können.“ Die Zeit bis zum zweiten geplanten Start auf der Intermot in Köln liefert schließlich die Stunden, die für Abstimmung und ein paar weitere Details noch gebraucht ­werden. Unterm Dom läuft er dann mit laut vernehm­barer Stimme, der sexy Bastard. Schade nur, dass nicht gegen einen Gegner, sondern in zwei Läufen gegen die Uhr ­gesprintet wird. Pani ficht das nicht an. Mit 6,2 und 6,6 Sekunden auf die Achtelmeile landet sie im Mittelfeld. Angesichts der Powerboliden der Konkurrenz ein respektables Ergebnis.

Das ich jetzt hier sicher nicht nachstellen will. Eine Straßenzulassung hat der Bastard nicht, und so finde ich mich mit ihm auf einem stillgelegten Flugplatz wieder. Tief ist er, ich weiß gar nicht wohin mit meinen kurzen 1,76 Metern. Links unterm Rahmenrohr sitzt der Kippschalter, der dem System den Saft anknipst. Mit einem Surren baut die externe Benzinpumpe Druck auf, der sich justieren und über ein Manometer ablesen lässt. Beim Druck auf den Knopf rechts am Rahmen erwacht der ­Köter zum Leben, seine Lautstärke fordert dir auch als Fahrer Respekt ab. Trotz bissiger Akustik reißt der Twin aber eher unspektakulär an, schließlich blieb er unberührt. Nicht mehr als seine serienmäßigen 76 PS ziehen dich zum Horizont. Die reduzierte Bauhöhe hilft dabei, die Vorderachse sicher am Boden zu halten. Mehr oder weniger jedenfalls, denn die groben Gummiblöcke des Conti TKC 80 schwimmen mehr, als dass sie führen. Sehr unterhaltsam! Nach ein paar Fotorunden und einer Hand voll Sprintversuchen ist Schluss: 2,5 Liter sind rasch verraucht. Die Eckdaten der SV 650 lassen viel Raum für dynamischen Fahrspaß. Doch kein Vertun: Der Bastard hier lebt von seinen Formen. Die Idee druckbarer Customparts ist vielversprechend. Bleibt zu hoffen, dass die bei diesem Projekt gesammelten Erfahrungen eines nicht zu fernen Tages tatsächlich in kauf­bare Resultate münden. Schließlich ist Suzukis SV nicht das einzige Serienbike, das da draußen auf die Freilegung seiner Essenz hofft. Wir hoffen mit ihm.
 

An einen rechten Sprintracer gehören unter der Gabelbrücke ­angeschellte Lenkstummel. Erst sie bringen die windschnittige Angriffsstellung, die auf der Achtelmeile zähltEin einstellbarer Benzindruckregler versorgt zusammen mit der externen Benzinpumpe die Einspritzung
An einen rechten Sprintracer gehören unter der Gabelbrücke ­angeschellte Lenkstummel. Erst sie
bringen die windschnittige Angriffsstellung, die auf der Achtelmeile zählt (links). Ein einstellbarer
Benzindruckregler versorgt zusammen mit der externen Benzinpumpe die Einspritzung


Text: Guido Kupper
Bilder: Tobias Kircher




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16.02.2017
Text: Guido Kupper Bilder: Tobias Kircher
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Stand:27 April 2017 22:40:49 Warning: fopen(cache/dcded5e79db5513d87743725e8d3c9c8.html): failed to open stream: Permission denied in /var/www/vhosts/rockandroad.de/httpdocs/index.php on line 131 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/rockandroad.de/httpdocs/index.php on line 132 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/rockandroad.de/httpdocs/index.php on line 133