Werbehelden


Die Werbung hat uns mal wieder entdeckt. Ein You Tube-Spot brachte 148 Rocker in alle Büros und Wohnstuben
Der Werbespot ging in wenigen Stunden rund um die Welt und kassierte von You Tube bis Facebook über fünf Millionen Views. Die Story war einfach: Ein bürgerliches Pärchen hat im größten Kino von Brüssel zwei Plätze gebucht, nur liegen sie ausgerechnet in einem Saal voller grimmig dreinblickender Rocker. Würden die beiden es wagen, ihre Plätze aufzusuchen? Einige drängen sich tapfer durch die engen Reihen schweigender Bösewichter. Als sie Platz nehmen, wird ihr Mut belohnt. Die Lichter gehen an, die Rocker jubeln – und reichen ihnen ein Carlsberg Bier.
Eine findige Agentur hatte zur weltweiten Einführung eines Werbeslogans auf klassische Klischees gesetzt. Wir sprachen mit Koenraad Lefever. Er ist Art Director der Agentur Duval Guillaume in Antwerpen. Zusammen mit Texter Dries De Wilde wurde er zum geistigen Vater der erfolgreichen Internetkampagne. Er war auch während der Dreharbeiten dabei.


BN: Koen, die wichtigste Frage zuerst: Wieso habt ihr euch gerade für Rocker entschieden?

Koen Lefever: Wir wollten einfach eine Gruppe von Leuten, die auf andere Menschen einschüchternd wirkt.

BN: Und das sollen wir sein? Dann wären aber auch andere Szene-Typen in Frage gekommen.

Koen Lefever:
Ja, klar, wir hätten auch Neonazis nehmen können, dann wäre die Stimmung im Saal gleich noch viel bedrohlicher gewesen. Aber es ging eben nicht darum, zu beschreiben, wie man zwischen Rassisten sitzt oder zwischen Leuten mit schrägen Ideologien im Gepäck. Stell dir vor, wir hätten nur Schwarze in das Publikum gesetzt, das hätte auf jeden Weißen ziemlich angsteinflößend gewirkt. Aber dann erzählt man die Geschichte von Rassismus und Integration.
Wir wollten aber keine größere Geschichte erzählen als diese: „Wenn du den Mumm hast, dich zwischen richtig harte Jungs zu setzen, dann hast du dir einfach ein Bier verdient. Ein Carlsberg.“


„Biker sind überall. Das sind sehr nette Leute.“

BN: Und welche Geschichte erzählt man von den Bikern?
Koen Lefever: Das sind sehr nette Leute, nur dass sie halt auch Spaß daran haben, wenn sie auf andere sehr tough wirken. Und wenn sie im Rudel auftreten oder einem im Pulk auf ihren schweren Maschinen entgegenkommen, dann wirken sie natürlich erst einmal einschüchternd. Das ist auch sicherlich so gewollt. Mal abgesehen von kriminellen Organisationen, wie den Outlaws oder Hells Angels, zu diesen Gangs gibt es im Spot keinen einzigen Bezug – in unserem Publikum sitzen einfach nur Rocker. Nicht mehr und nicht weniger. Sie wirken einschüchternd, sind aber gleichzeitig überall anzutreffen. Es ist ja nicht so, dass jemand noch nie im Leben einen Rocker gesehen hätte. Sie sind ein ziemlich großer Bestandteil unseres Lebens. Biker sind überall. Aber in der Regel halt nicht alle auf einem Haufen in einem Kinosaal.

BN: Ist also ein schlechtes Image gut für die Werbung?

Koen Lefever: Nein, nicht wirklich. In unserem Fall ist die positive Aussage dieses Spots viel wichtiger. Und damit auch die positiven Seiten der Biker zu zeigen, war Teil unseres Plans.
Man sieht das auch sehr deutlich daran, wie wir durch entsprechenden Schnitt der einzelnen Szenen die darauf hinführende Spannung erzeugt haben: Zuerst ein Paar, das sich nicht getraut hat, sich mitten in die Rockermeute zu setzen. Aber über die Hälfte des Spots zeigt danach, wie die Leute dann doch den Mut finden und von den Jungs dafür gefeiert werden. Alle Vorurteile sind wie weggefegt, in dem Moment wo man zusammensitzt und miteinander ein Bier trinkt.

BN:
Medien und Behörden verbeißen sich gern ins Bild der bösen Kutte und werfen bevorzugt alle in einen Topf. Wie sieht das Carlsberg? Hattet ihr Probleme, sie von eurer Idee zu überzeugen?

Koen Lefever: Nein, überhaupt nicht. Wir hatten nicht das geringste Problem und mussten sie auch nicht erst überzeugen. Sie waren von Anfang an begeistert. Die einzige Vorgabe bestand darin, keine Symbole der Hells Angels oder Outlaws zu verwenden. Für alle anderen gab es grünes Licht, wie zum Beispiel auch für den Blue Angels MC aus Ghent oder anderen Chaptern, eben weil sie keine kriminelle Organisation sind.

BN:
Du erwähnst keine Bandidos? Die gibt es ja auch in Belgien.


Koen Lefever:
Es gilt dasselbe. Wir haben auch keine Bandidos-Symbole verwendet. Es ging uns nur um die allgemeine Optik von richtig schweren Jungs.


„Es sind nur fünf Prozent der Rocker, die das Image ruinieren.“

BN: Könnte der Spot dazu beitragen, den Leuten, die nur negative Schlagzeilen kennen, ein authentischeres Bild der Szene zu vermitteln?

Koen Lefever:
Ja, auf jeden Fall. Das kann man auch gut zwischen den Zeilen lesen. Die Jungs haben in ihrer Begeisterung die Paare, die sich tatsächlich getraut hatten, sich in ihre Mitte zu setzen, regelrecht abgefeiert, sie haben es sichtlich genossen, den beiden das Bier auszugeben und zu applaudieren.
Und in der Tat sind es auch nur fünf Prozent der Rocker, die das Image ruinieren. Die restlichen 95 Prozent sind einfach richtig nette Leute.


… weiter geht’s in der BIKERS NEWS 12/11


Text: der nachtfuchs
Bilder: Caroline Danneels


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BIKERS NEWS 18.11.2011
Text: der nachtfuchs Bilder: Caroline Danneels
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Stand:19 May 2013 06:58:42